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Werbung und Wettbewerb · IT-Recht

Werbung gegenüber Verbrauchern: Umweltaussagen, Preisangaben, Bewertungen und Abmahnung

Am 27. September 2026 treten neue Verbote für Umweltaussagen in Kraft, ohne Übergangs- und ohne Abverkaufsfrist. Dieser Ratgeber nennt die sechs neuen Per-se-Verbote, erklärt die Anforderungen an Preisermäßigungen, Bewertungen und werbliche Ansprache und führt durch die ersten achtundvierzig Stunden nach einer Abmahnung.

Lesedauer etwa 12 Minuten · Stand 14. September 2026

Auf einen Blick

  • Das Dritte UWG-Änderungsgesetz wirkt überwiegend ab dem 27. September 2026. Übergangs- oder Abverkaufsfristen sind nach den vorliegenden Auswertungen nicht vorgesehen.
  • Sechs neue Nummern der schwarzen Liste betreffen Umweltaussagen und Siegel. Verstöße gegen diese Liste sind stets unzulässig, ohne Abwägung und ohne Bagatellgrenze.
  • Produktbezogene Aussagen zur Klimaneutralität auf Grundlage von Kompensation werden per se unzulässig.
  • Zielaussagen über künftige Umweltleistung sind irreführend, wenn kein detaillierter, öffentlich einsehbarer und extern geprüfter Umsetzungsplan dahintersteht.
  • Ein selbst entworfenes Nachhaltigkeitssiegel ohne externes Zertifizierungssystem ist ab dem Stichtag per se unzulässig.
  • Die Erläuterung eines mehrdeutigen Umweltbegriffs muss im selben Medium stehen. Ein Verweis auf die Internetseite genügt nicht.
  • Bei Preisermäßigungen ist der niedrigste Preis der letzten dreißig Tage klar erkennbar und gut lesbar anzugeben, und die Rabattprozente müssen sich darauf beziehen.
  • Bei Bewertungen besteht eine Informationspflicht über das Prüfverfahren, keine Prüfpflicht. Gefälschte Bewertungen zu beauftragen ist stets unzulässig.
  • Einwilligungen in Telefonwerbung sind fünf Jahre zu dokumentieren. Die Bundesnetzagentur hat 2025 und 2026 Bußgelder im sechsstelligen Bereich verhängt.
  • Gegen eine Abmahnung gibt es vier Prüfschritte: Berechtigung, Pflichtangaben, Kostenausschluss und Missbrauchsindizien.

Am 27. September 2026 ändert sich das Werberecht spürbar, und zwar ohne Schonfrist. Das Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, verkündet im Bundesgesetzblatt I 2026 Nr. 43 am 19. Februar 2026, setzt die Richtlinie (EU) 2024/825 um. Nach den uns vorliegenden Auswertungen sind keine Übergangs- oder Abverkaufsfristen vorgesehen. Das bedeutet: Verpackungen, Etiketten, Kataloge, Displays, Internetseiten und Beiträge in sozialen Netzwerken müssen am Stichtag konform sein. Bestände, die dann noch im Handel oder online sind, tragen das Risiko.

Dieser Ratgeber richtet sich an Unternehmen, die in Deutschland gegenüber Verbrauchern werben. Er nennt zuerst, was sich zum Stichtag ändert, führt dann durch Preiswerbung, Bewertungen, werbliche Ansprache und Abmahnung und endet mit einer Sequenz für die ersten achtundvierzig Stunden nach einer Abmahnung.

Eine Orientierung vorweg, welche Themen tatsächlich verfolgt werden. Die Wettbewerbszentrale weist für 2025 aus: 241 Fälle, in denen ein Klageverfahren nicht vermieden werden konnte, dazu 82 neue Einigungsstellenverfahren. 57 Prozent der geprüften Rechtsfragen betrafen Irreführung, sieben von zehn Fällen Werbung im Internet. Preiswerbungsfälle nahmen um 11,6 Prozent zu, Sachverhalte in sozialen Netzwerken um 15,2 Prozent. Wer Kontrollressourcen verteilt, verteilt sie entlang dieser Linien.

Umweltaussagen: sechs neue Verbote ohne Abwägung

Der Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG, die sogenannte schwarze Liste, enthält Praktiken, die gegenüber Verbrauchern stets unzulässig sind. Es gibt dort keine Interessenabwägung, keine Spürbarkeitsschwelle und keinen Bagatellvorbehalt. Genau deshalb tragen Verstöße gegen diese Liste das höchste Abmahnrisiko. Zum Stichtag kommen nach den Gesetzesmaterialien sechs Nummern hinzu, die fast ausschließlich die Nachhaltigkeitskommunikation betreffen.

  • Nr. 2a: Ein Nachhaltigkeitssiegel anbringen, das weder auf einem extern überprüften Zertifizierungssystem beruht noch staatlich festgesetzt ist. Das selbst entworfene Siegel auf der eigenen Verpackung ist damit erledigt.
  • Nr. 4a: Eine allgemeine Umweltaussage ohne Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung. Betroffen sind Wörter wie umweltfreundlich, grün, ökologisch oder klimafreundlich, wenn keine Spezifizierung klar hervorgehoben auf demselben Medium steht.
  • Nr. 4b: Eine Umweltaussage über das Gesamtprodukt oder die gesamte Geschäftstätigkeit, die tatsächlich nur einen Aspekt betrifft. Recyclingmaterial in der Verpackung macht kein nachhaltiges Produkt.
  • Nr. 4c: Aussagen über neutrale, verringerte oder positive Umweltauswirkungen, die auf Treibhausgaskompensation gestützt werden. Das trifft das gesamte produktbezogene Marketing mit klimaneutral, CO2-neutral oder klimapositiv auf Kompensationsbasis.
  • Nr. 10a: Gesetzlich vorgeschriebene Anforderungen als Besonderheit des eigenen Angebots darstellen.
  • Nr. 23d: Irreführung zu Softwareaktualisierung, Haltbarkeit und Reparierbarkeit, mit mehreren Unterpunkten.

Hinzu kommt eine Regelung, die viele Unternehmen unterschätzen. Nach § 5 Abs. 3 Nr. 4 UWG in der neuen Fassung sind Aussagen über eine künftige Umweltleistung irreführend, wenn ihnen keine klaren, objektiven, öffentlich einsehbaren und überprüfbaren Verpflichtungen in einem detaillierten Umsetzungsplan zugrunde liegen. Dieser Plan muss messbare und zeitgebundene Ziele enthalten, die Ressourcenzuweisung ausweisen und regelmäßig von einem unabhängigen externen Sachverständigen überprüft werden. Sätze wie „bis 2030 klimaneutral“ sind damit ohne geprüften Plan keine Absichtserklärung mehr, sondern irreführende Werbung.

Erweitert wird außerdem der Begriff der wesentlichen Merkmale in § 5 Abs. 2 UWG: Er erfasst künftig ausdrücklich ökologische und soziale Merkmale sowie Zirkularitätsaspekte wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Neu ist auch das Verbot der Werbung mit irrelevanten Vorteilen, die sich nicht aus Merkmalen des Produkts ergeben.

Umweltaussagen ab dem 27. September 2026

Nicht mehr zulässig

  • Allgemeine Aussagen wie umweltfreundlich oder grün ohne Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung
  • Eigene Nachhaltigkeitssiegel ohne externes Zertifizierungssystem
  • Produktbezogene Klimaneutralität auf Grundlage von Kompensation
  • Ein Teilaspekt, kommuniziert als Eigenschaft des ganzen Produkts
  • Zielaussagen wie klimaneutral bis 2030 ohne extern geprüften Umsetzungsplan
  • Werbung mit dem Verzicht auf etwas, das ohnehin gesetzlich verboten ist

Weiterhin möglich

  • Spezifizierte, belegte Aussagen mit klar hervorgehobener Erläuterung auf demselben Medium
  • Siegel auf Grundlage eines extern überprüften Zertifizierungssystems oder staatlich festgesetzte Kennzeichen
  • Angaben zu tatsächlich erreichter Reduktion, wenn sie belegt und zugeordnet sind
  • Die Aussage auf den Aspekt begrenzen, den sie betrifft, etwa die Verpackung
  • Zielaussagen mit messbaren, zeitgebundenen Zielen, Ressourcenzuweisung und regelmäßiger externer Prüfung
  • Werbung mit Eigenschaften, die über die gesetzliche Pflicht hinausgehen

Die Erläuterung gehört in dasselbe Medium

Schon vor dem Stichtag gilt eine Linie, die viele Unternehmen falsch einschätzen. Mit Urteil vom 27. Juni 2024 (I ZR 98/23) hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Werbung mit einem mehrdeutigen umweltbezogenen Begriff, dort „klimaneutral“, regelmäßig nur zulässig ist, wenn in der Werbung selbst erläutert wird, welche konkrete Bedeutung dem Begriff zukommt. Im Bereich umweltbezogener Werbung besteht ein gesteigertes Aufklärungsbedürfnis, und Reduktion und Kompensation von Treibhausgasen sind nicht gleichwertig.

Die praktische Folge ist unbequem: Ein Verweis auf die Internetseite oder ein Zeichen zum Abscannen genügt nicht. Die Aufklärung muss dort stehen, wo die Aussage steht, und in vergleichbarer Wahrnehmbarkeit. Wer seine Erläuterung auslagert, hat den Beleg, aber nicht die Zulässigkeit.

Dieselbe Strenge gilt für Siegel und Testaussagen. Mit Urteil vom 30. Juli 2026 (I ZR 130/25) hat der Bundesgerichtshof zu gegen Lizenzgebühr vergebenen Empfehlungssiegeln im Gesundheitsbereich entschieden, dass strenge Anforderungen an Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit des Testverfahrens und der Siegelgestaltung bestehen und Siegel die Grenzen des zugrunde liegenden Verfahrens erkennen lassen müssen. Wer ein Siegel einkauft und verwendet, haftet für seine irreführende Wirkung mit.

Stichtage und Aufbewahrungsfristen

Stichtage und Aufbewahrungsfristen
FristBedeutungFundstelle
Neue Per-se-Verbote zu Umweltaussagen und Anforderungen an Zielaussagen27. September 2026, ohne Übergangs- oder AbverkaufsfristDrittes UWG-Änderungsgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 43
Verstoß gegen die Gestaltungspflichten beim Fernabsatz von Finanzdienstleistungen ist irreführendbereits seit 19. Juni 2026§ 5 Abs. 6 UWG, neu
Niedrigster Gesamtpreis der letzten dreißig Tage bei Preisermäßigungen30 Tage rollierend, je Artikel und Vertriebskanal§ 11 PAngV
Dokumentation von Einwilligungen in Telefonwerbungfünf Jahre ab Erteilung und nach jeder Verwendung§ 7a UWG
Übliche Reaktionsfrist auf eine Abmahnungeine Woche bis zehn Tage ab ZugangPraxis der Kammern
Dringlichkeitsfrist für den Antrag auf einstweilige Verfügungje nach Oberlandesgericht ein bis zwei Monate ab KenntnisRechtsprechungspraxis
Kostenausschluss bei Erstabmahnung durch einen MitbewerberUnternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten bei Informations- und Kennzeichnungspflichten im elektronischen Geschäftsverkehr§ 13 Abs. 4 UWG
Keine Vertragsstrafe bei Erstabmahnung durch einen MitbewerberUnternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten§ 13a Abs. 2 UWG
Vertragsstrafe bei unerheblicher Beeinträchtigunghöchstens 1.000 Euro, Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten§ 13a Abs. 3 UWG

Preiswerbung: die Dreißigtageregel und woran sie scheitert

Wer eine Preisermäßigung bekanntgibt, muss zusätzlich den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den er innerhalb der letzten dreißig Tage vor der Ermäßigung gegenüber Verbrauchern angewendet hat. Das regelt § 11 PAngV. Bei schrittweisen Ermäßigungen darf durchgehend der niedrigste Gesamtpreis vor Beginn der Ermäßigungsfolge angegeben werden. Ausgenommen sind individuell ausgehandelte Ermäßigungen sowie verderbliche Waren, wenn der Grund in geeigneter Weise kenntlich gemacht wird. Die Regel gilt für Waren, nicht für Dienstleistungen.

Gescheitert wird in der Praxis nicht an der Rechenlogik, sondern an der Darstellung. Mit Urteil vom 9. Oktober 2025 (I ZR 183/24) hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass der niedrigste Dreißigtagepreis unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar anzugeben ist; eine kleingedruckte Fußnote genügt nicht. Bemerkenswert ist die Einordnung: Das Gericht behandelt die unzureichende Darstellung nicht bloß als Formverstoß gegen die Preisangabenverordnung, sondern als Vorenthalten einer wesentlichen Information nach den §§ 5a, 5b UWG.

Zwei weitere Punkte sind für den Handel praktisch wichtig. Erstens ist seit dem 28. Mai 2022 die Grundpreisangabe je 100 Gramm oder 100 Milliliter nur noch bei unverpackter, vom Käufer selbst abgemessener Ware zulässig; im Onlineangebot ist sie damit regelmäßig nicht mehr erlaubt. Anzugeben sind ein Kilogramm, ein Liter, ein Kubikmeter, ein Meter oder ein Quadratmeter. Zweitens ist die frühere Anforderung, den Grundpreis in unmittelbarer Nähe zum Gesamtpreis anzugeben, entfallen; maßgeblich ist, dass er unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar ist.

Das derzeit riskanteste Format ist die Gegenüberstellung mit der unverbindlichen Preisempfehlung samt prozentualer Ersparnis. Ob eine solche Gegenüberstellung die Dreißigtagepflicht auslöst, ist obergerichtlich umstritten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 18. Dezember 2025 (I-20 U 43/25) eine prozentuale Ermäßigung für unzulässig gehalten, die sich nicht auf den niedrigsten Gesamtpreis der letzten dreißig Tage bezog, und den Bezug auf die Herstellerempfehlung als irreführend bewertet. Eine höchstrichterliche Klärung steht aus. Solange sie fehlt, sollten Sie dieses Format entweder meiden oder den Dreißigtagepreis zusätzlich ausweisen.

Der Referenzpreis, der technisch korrekt und trotzdem unzulässig war

Ein Händler bewirbt einen Artikel mit einem durchgestrichenen Preis und der Angabe „minus 30 Prozent“. Der niedrigste Preis der letzten dreißig Tage ist im System hinterlegt und erscheint auch auf der Seite, allerdings als Fußnote in kleiner Schrift unterhalb des Aktionsblocks. Die Rabattprozente sind auf den zuletzt regulär geführten Preis gerechnet.

Zwei Fehler, von denen der zweite der teurere ist. Erstens genügt die Fußnote nicht: Nach dem Urteil vom 9. Oktober 2025 ist der Dreißigtagepreis unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar anzugeben, und das Gericht wertet die unzureichende Darstellung als Vorenthalten einer wesentlichen Information. Faustregel: Wer den Referenzpreis kleiner setzt als die Rabattangabe, verliert. Zweitens liegt der Fehler in der Preis-Engine, nicht im Layout: Der beworbene Prozentsatz muss sich auf den Dreißigtagepreis beziehen, nicht auf den zuletzt gültigen Preis. Das ist keine Gestaltungsfrage, sondern eine Frage der Datenhaltung. Ohne revisionssichere Preishistorie je Artikel und Vertriebskanal ist die Vorgabe weder erfüllbar noch im Streitfall beweisbar.

Bewertungen: eine Informationspflicht, keine Prüfpflicht

Wer Verbraucherbewertungen zugänglich macht, muss nach § 5b Abs. 3 UWG darüber informieren, ob und wie sichergestellt wird, dass die Bewertungen von Personen stammen, die die Ware oder Dienstleistung tatsächlich genutzt oder erworben haben. Das ist eine Informationspflicht, keine Prüfpflicht. Sie dürfen ungeprüfte Bewertungen veröffentlichen, müssen das aber transparent machen. Diese Pflicht ist leicht zu erfüllen und wird trotzdem häufig übersehen.

Gefährlich wird es eine Stufe weiter. Nach dem Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG ist es stets unzulässig, zu behaupten, Bewertungen stammten von tatsächlichen Käufern oder Nutzern, ohne angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen zur Überprüfung zu ergreifen (Nr. 23b). Formulierungen wie „echte Kundenbewertungen“ oder „verifizierte Bewertungen“ sind Tatsachenbehauptungen. Ebenfalls stets unzulässig ist das Übermitteln oder Beauftragen gefälschter Bewertungen und Empfehlungen (Nr. 23c). Der Einkauf von Bewertungen über Agenturen oder Plattformen ist damit unmittelbar erfasst, unabhängig davon, wer sie schreibt.

Zur selben Reform gehören zwei weitere Pflichten, die im Handel oft fehlen: die Offenlegung der Unternehmereigenschaft auf Online-Marktplätzen und die Offenlegung der Hauptparameter des Rankings samt ihrer Gewichtung.

Influencer: jede Gegenleistung zählt

Der Bundesgerichtshof hat die Linie am 9. September 2021 in drei Verfahren gezogen (I ZR 90/20, I ZR 125/20, I ZR 126/20). Beiträge mit Markierungen und Verlinkungen auf Herstellerprofile sind kennzeichnungspflichtig, wenn eine Gegenleistung vorliegt; ohne Gegenleistung Dritter fehlt es an kommerzieller Kommunikation. Seit der UWG-Reform vom 28. Mai 2022 entfällt die Kennzeichnungspflicht nur, wenn weder ein Entgelt noch eine ähnliche Gegenleistung vorliegt. Eine Geringfügigkeitsschwelle gibt es nicht: Auch das kostenlos überlassene Produkt ist eine Gegenleistung.

Für Sie als Auftraggeber ist das mehr als eine Frage der Vertragsgestaltung. Beauftragter Inhalt ist eine geschäftliche Handlung zugunsten Ihres Unternehmens. Sie tragen also ein eigenes Risiko, auch wenn ein Dritter den Beitrag veröffentlicht. Nehmen Sie deshalb eine Kennzeichnungspflicht mit konkreter Formulierungsvorgabe in den Vertrag auf, dokumentieren Sie jede Gegenleistung einschließlich Sachleistungen und Reisen, und kontrollieren Sie die Veröffentlichung stichprobenartig mit datierten Bildschirmfotos. Beziehen Sie Partnerprogramme in dieselbe Kontrolle ein.

Telefon und E-Mail: hier sanktioniert eine Behörde

Für werbliche Ansprache gilt das Belästigungsverbot des § 7 UWG. Gegenüber Verbrauchern ist für E-Mail und Telefon jeweils eine ausdrückliche und nachweisbare Einwilligung erforderlich. Gegenüber Unternehmern genügt beim Telefon nach der Darstellung der Kammern eine mutmaßliche Einwilligung, etwa bei bestehender Geschäftsbeziehung.

Die Bestandskundenausnahme des § 7 Abs. 3 UWG ist enger, als sie in der Praxis gehandhabt wird. Sie verlangt vier Voraussetzungen zugleich: Die Adresse muss im Zusammenhang mit einem Verkauf erlangt worden sein, nicht bei einer Anfrage, einer Registrierung oder einem Gewinnspiel; es darf nur für ähnliche Waren oder Dienstleistungen geworben werden; der Kunde darf nicht widersprochen haben; und er muss bei der Erhebung und bei jeder Verwendung klar auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen werden. Die Ausnahme gilt nur für E-Mail, nicht für das Telefon. Gefährlich ist vor allem die Ähnlichkeitsprüfung: Verkauf in ein anderes Sortiment ist regelmäßig nicht gedeckt.

Das eigentliche Risiko in diesem Feld ist nicht die Abmahnung, sondern die Behörde. Nach § 7a UWG sind Einwilligungen in Telefonwerbung zu dokumentieren und fünf Jahre ab Erteilung und nach jeder Verwendung aufzubewahren, auf Verlangen der Bundesnetzagentur unverzüglich herauszugeben. Die Behörde sanktioniert aktiv und in erheblicher Höhe. Aus ihren Veröffentlichungen: 210.000 Euro gegen ein Energieunternehmen am 18. Dezember 2025, 130.000 Euro am 13. November 2025, 104.400 Euro gegen ein Callcenter am 18. November 2025, 100.500 Euro im Bereich Photovoltaik. Nach ihrer Darstellung reicht der Rahmen bei unerlaubter Telefonwerbung bis 300.000 Euro. Die Konstellation hinter diesen Fällen ist fast immer dieselbe: zugekaufte Kontaktdaten, deren Einwilligungsnachweise nicht belastbar sind. Die Haftung bleibt bei Ihnen als Werbendem.

Für Einwilligungen im Onlinemarketing gilt § 25 TDDDG neben der Datenschutz-Grundverordnung. Die Einwilligung muss ausdrücklich, freiwillig, informiert und nach Zwecken getrennt sein, und die Ablehnung muss als echte gleichwertige Alternative gestaltet sein, in vergleichbarer Größe, Farbe und Typografie. Die Datenschutzkonferenz hat ihre Orientierungshilfe für Anbieter digitaler Dienste Ende November 2024 neu gefasst; sie präzisiert unter anderem, dass eine Ablehnungsoption nicht zwingend auf der ersten Ebene erscheinen muss, wohl aber dann, wenn Nutzer mit dem Banner interagieren müssen, um weiterzulesen.

Die Abmahnung und Ihre Gegeninstrumente

Abmahnen dürfen Mitbewerber, qualifizierte Wirtschaftsverbände und qualifizierte Einrichtungen, die beim Bundesamt für Justiz in die jeweilige Liste eingetragen sind, sowie die Kammern kraft Gesetzes. Einzelne Verbraucher dürfen nicht abmahnen. Der erste Prüfschritt ist deshalb immer derselbe: Steht der Absender in der Liste des Bundesamts für Justiz? Sie ist öffentlich einsehbar. Ohne Eintragung fehlt einem Verband die Berechtigung.

Der zweite Prüfschritt betrifft die Form. Nach § 13 Abs. 2 UWG muss eine Abmahnung Absender und Vertreter benennen, die Anspruchsberechtigung nachweisen, angeben ob und in welcher Höhe Aufwendungsersatz verlangt wird und wie er berechnet ist, die Rechtsverletzung unter Angabe der tatsächlichen Umstände hinreichend deutlich bezeichnen, zur strafbewehrten Unterlassungserklärung auffordern, eine angemessene Frist setzen und gerichtliche Schritte androhen. Fehlt eine Pflichtangabe, ist die Abmahnung unwirksam, es besteht kein Anspruch auf Aufwendungsersatz, und Sie haben Ihrerseits einen Gegenanspruch.

Der dritte Prüfschritt betrifft die Kosten. Nach § 13 Abs. 4 UWG entfällt der Aufwendungsersatz gegenüber einem Mitbewerber bei Verstößen gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im elektronischen Geschäftsverkehr sowie bei Datenschutzverstößen von Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Nach § 13a Abs. 2 UWG entfällt bei einer erstmaligen Abmahnung durch einen Mitbewerber in diesen Fällen die Vertragsstrafe, wenn Sie weniger als 100 Beschäftigte haben; bei unerheblicher Beeinträchtigung ist sie nach § 13a Abs. 3 UWG auf 1.000 Euro gedeckelt.

Der vierte Prüfschritt ist § 8c Abs. 2 UWG. Dort sind Indizien benannt, bei deren Vorliegen im Zweifel Rechtsmissbrauch vermutet wird: wenn die Abmahnung vorwiegend der Kosteneintreibung dient, wenn eine erhebliche Anzahl von Verstößen gegen dieselbe Vorschrift geltend gemacht wird und die Zahl außer Verhältnis zum Umfang der eigenen Geschäftstätigkeit steht, bei unangemessen hohem Gegenstandswert, bei offensichtlich überhöhter Vertragsstrafe, wenn die geforderte Unterlassungserklärung offensichtlich über die abgemahnte Verletzung hinausgeht oder wenn mehrere Verstöße einzeln statt zusammen abgemahnt werden. Ist die Abmahnung missbräuchlich, haben Sie einen Gegenanspruch auf Ersatz Ihrer Rechtsverteidigungskosten.

Zur Unterlassungserklärung selbst: Sie sind nicht verpflichtet, die vorformulierte Fassung zu unterschreiben, und sie ist fast immer zu weit gefasst. Die modifizierte Erklärung beschränkt sich auf die konkret begangene Verletzungshandlung; sie bedarf der ausdrücklichen Annahme durch die Gegenseite. Beim sogenannten Hamburger Brauch bleibt die Höhe der Vertragsstrafe unbeziffert und wird in das billige Ermessen des Gläubigers gestellt, gerichtlich überprüfbar. Sobald unterschrieben ist, gilt die Erklärung zeitlich unbegrenzt, und jeder weitere Verstoß löst die Vertragsstrafe aus. Deshalb gehört vor die Unterschrift die vollständige Bereinigung aller gleichartigen Fundorte im eigenen Bestand.

Die ersten achtundvierzig Stunden nach einer Abmahnung

  1. Dokumentieren Sie das Eingangsdatum. Umschlag, Empfangsbekenntnis oder Kopfzeilen der Nachricht sichern, denn die Frist läuft ab Zugang.
  2. Sichern Sie den Beweis, bevor Sie korrigieren. Ein datiertes Bildschirmfoto des beanstandeten Werbemittels im Zustand zum Zeitpunkt der Abmahnung. Dieser Schritt wird fast immer versäumt.
  3. Stellen Sie den Verstoß ab, wenn er offensichtlich ist. Das beseitigt den Unterlassungsanspruch nicht, begrenzt aber den laufenden Schaden.
  4. Verhängen Sie eine Kommunikationssperre. Keine Stellungnahme gegenüber der Gegenseite, der Presse, Handelspartnern oder in sozialen Netzwerken vor der rechtlichen Bewertung.
  5. Benennen Sie eine verantwortliche Person, die den Vorgang führt.
  6. Prüfen Sie die Anspruchsberechtigung. Ist der Absender Mitbewerber, Kammer oder in der Liste des Bundesamts für Justiz eingetragen?
  7. Prüfen Sie die Pflichtangaben nach § 13 Abs. 2 UWG. Fehlt eine, ist die Abmahnung unwirksam.
  8. Prüfen Sie den Kostenausschluss nach § 13 Abs. 4 UWG und den Vertragsstrafenausschluss nach § 13a UWG anhand Ihrer Beschäftigtenzahl.
  9. Prüfen Sie die Missbrauchsindizien des § 8c Abs. 2 UWG.
  10. Verifizieren Sie den Sachverhalt intern: War der Verstoß gegeben, seit wann, in welchen Kanälen, und gibt es weitere gleichartige Fundorte im eigenen Bestand?
  11. Holen Sie eine anwaltliche Bewertung ein, zwingend bei unklarer Rechtslage, hohem Gegenstandswert oder einer Verbandsabmahnung.
  12. Bitten Sie rechtzeitig und schriftlich um Fristverlängerung, wenn die Bewertung nicht abgeschlossen ist. Das ist häufig erreichbar, aber nur vor Fristablauf.
  13. Entscheiden Sie zwischen modifizierter Unterlassungserklärung, begründeter Zurückweisung, Einigungsstellenverfahren bei der Kammer und Hinterlegung einer Schutzschrift.
  14. Bereinigen Sie den gesamten Bestand, bevor die Unterlassungserklärung wirksam wird.
  15. Führen Sie eine Ursachenanalyse: Welcher Schritt im Freigabeprozess hat versagt?

Sechs Annahmen, die in diesem Feld teuer werden

Wenn die Aussage im Kern stimmt, ist sie zulässig. Maßstab ist nicht die objektive Richtigkeit im Kleingedruckten, sondern das Verständnis des durchschnittlichen Verbrauchers. Eine wahre Aussage kann irreführend sein.
Die Erläuterung steht ja auf unserer Internetseite. Bei mehrdeutigen Umweltbegriffen genügt das nicht. Die Aufklärung muss im selben Medium und in vergleichbarer Wahrnehmbarkeit erfolgen.
Wir haben den Referenzpreis angegeben. Entscheidend ist, wie. Eine kleingedruckte Fußnote genügt nicht, und die Rabattprozente müssen sich auf den Dreißigtagepreis beziehen, nicht auf den zuletzt gültigen Preis.
Unsere Bestandskunden dürfen wir anschreiben. Nur, wenn die Adresse beim Verkauf erlangt wurde, es um ähnliche Waren geht, kein Widerspruch vorliegt und bei jeder Verwendung auf das Widerspruchsrecht hingewiesen wird. Und nur per E-Mail, nicht per Telefon.
Die Einwilligungen haben wir eingekauft, das Risiko liegt beim Anbieter. Die Haftung bleibt beim Werbenden, und die Bußgeldpraxis der Bundesnetzagentur betrifft typischerweise genau diese Konstellation.
Eine Abmahnung muss man unterschreiben. Muss man nicht. Die vorformulierte Erklärung ist fast immer zu weit gefasst, und vier Prüfschritte entscheiden über Berechtigung, Form, Kosten und Missbräuchlichkeit.

Grenzen dieser Darstellung

Dieser Ratgeber stellt die Rechtslage allgemein dar und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Sechs Vorbehalte legen wir offen. Erstens waren die amtliche Gesetzesdatenbank des Bundes und das Portal des Amtsblatts der Europäischen Union bei der Recherche nicht erreichbar. Wir zitieren deshalb keinen Normwortlaut und führen keine Satznummern. Die Angaben zum neuen Recht stützen sich auf die Gesetzgebungsmaterialien, insbesondere die Bundestagsdrucksachen 21/1855 vom 29. September 2025 und 21/3327 vom 17. Dezember 2025, sowie auf Veröffentlichungen der Industrie- und Handelskammern. Zweitens nennen zwei unabhängige Quellen als Verkündungsdatum des Dritten UWG-Änderungsgesetzes den 19. Februar 2026, eine dritte den 19. März 2026; wir folgen der Mehrheit, weisen die Abweichung aber aus. Drittens beruht die Abgrenzung, dass das Verbot kompensationsgestützter Aussagen auf produktbezogene Angaben zielt und unternehmensbezogene Aussagen ausnimmt, auf einer einzigen Sekundärquelle. Prüfen Sie diesen Punkt vor einer Entscheidung gesondert. Viertens haben wir zu mehreren Sanktionsnormen bewusst keine Zahlen genannt, weil die Quellen einander widersprechen oder schweigen: zur Gewinnabschöpfung, zur Umsatzschwelle bei grenzüberschreitenden Verstößen und zur Bußgeldhöhe nach der Preisangabenverordnung. Fünftens nennen wir keine Streitwerte, weil die verfügbaren Angaben nicht an Primärquellen belegbar waren. Sechstens existiert zu den neuen Tatbeständen naturgemäß noch keine Rechtsprechung; insbesondere ist offen, wann eine Spezifizierung klar hervorgehoben auf demselben Medium angegeben ist. Der Ratgeber wird unmittelbar nach dem 27. September 2026 fortgeschrieben und danach halbjährlich.

Häufige Fragen

Ab wann gelten die neuen Regeln für Umweltaussagen?

Ab dem 27. September 2026. Nach den uns vorliegenden Auswertungen sind keine Übergangs- oder Abverkaufsfristen vorgesehen. Das heißt, auch bereits gedruckte Verpackungen, Kataloge und Displays sowie bestehende Beiträge in sozialen Netzwerken müssen am Stichtag konform sein. Einzelne Änderungen gelten bereits seit dem 19. Juni 2026, sie betreffen den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen.

Dürfen wir unser Produkt noch als klimaneutral bewerben?

Wenn die Aussage auf Kompensation gestützt ist, ab dem 27. September 2026 nicht mehr. Die neue Nummer 4c der schwarzen Liste erfasst Aussagen über neutrale, verringerte oder positive Umweltauswirkungen, die auf Treibhausgaskompensation beruhen. Nach einer Sekundärquelle gilt eine Ausnahme für unternehmensbezogene Aussagen; diese Abgrenzung sollten Sie vor einer Entscheidung gesondert prüfen lassen. Unabhängig davon verlangt der Bundesgerichtshof seit 2024, dass die Bedeutung eines mehrdeutigen Umweltbegriffs in der Werbung selbst erläutert wird.

Reicht ein Link oder ein Zeichen zum Abscannen für die Erläuterung?

Nein. Nach dem Urteil vom 27. Juni 2024 muss die Erläuterung in der Werbung selbst erfolgen. Ein Verweis auf die Internetseite genügt nicht. Praktisch bedeutet das: gleiche Fläche, gleiches Medium, vergleichbare Wahrnehmbarkeit.

Was ist eine allgemeine Umweltaussage?

Nach der neuen Begriffsbestimmung eine Umweltaussage ohne Siegel, deren Spezifizierung nicht klar hervorgehoben auf demselben Medium angegeben ist. Ohne Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung, also nach dem europäischen Umweltzeichen oder nach DIN EN ISO 14024 Typ I, ist sie ab dem Stichtag per se unzulässig. Der Ausweg ist die Spezifizierung: eine konkrete, belegbare Angabe statt eines pauschalen Wortes.

Wie berechnen wir einen Rabatt richtig?

Der Prozentsatz muss sich auf den niedrigsten Gesamtpreis beziehen, den Sie in den letzten dreißig Tagen gegenüber Verbrauchern angewendet haben, nicht auf den zuletzt gültigen Preis. Das ist eine Frage der Preis-Engine und der Datenhaltung, nicht des Layouts. Voraussetzung ist eine revisionssichere Preishistorie je Artikel und Vertriebskanal.

Dürfen wir mit der unverbindlichen Preisempfehlung vergleichen?

Mit Vorsicht. Die Kennzeichnung muss eindeutig sein, mehrdeutige Begriffe wie Listenpreis genügen nicht, und bei Auslaufmodellen ist auf die ehemalige Empfehlung hinzuweisen. Ob eine solche Gegenüberstellung die Dreißigtagepflicht auslöst, ist obergerichtlich umstritten und höchstrichterlich nicht geklärt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat sie in einem Fall am 18. Dezember 2025 für irreführend gehalten. Solange die Klärung fehlt, ist dieses Format das riskanteste in der Preiswerbung.

Müssen wir Kundenbewertungen prüfen?

Nein, aber Sie müssen darüber informieren, ob und wie Sie prüfen. Das ist eine Informations-, keine Prüfpflicht. Gefährlich wird es, wenn Sie Echtheit behaupten, ohne angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen zur Überprüfung zu ergreifen. Formulierungen wie echte oder verifizierte Bewertungen sind Tatsachenbehauptungen.

Muss eine Zusammenarbeit mit Influencern gekennzeichnet werden?

Sobald eine Gegenleistung vorliegt, ja. Eine Geringfügigkeitsschwelle gibt es nicht; auch ein kostenlos überlassenes Produkt ist eine Gegenleistung. Da der beauftragte Beitrag eine geschäftliche Handlung zugunsten Ihres Unternehmens ist, tragen Sie ein eigenes Risiko. Nehmen Sie die Kennzeichnungspflicht mit konkreter Formulierungsvorgabe in den Vertrag auf und kontrollieren Sie die Umsetzung.

Wie lange müssen wir Einwilligungen aufbewahren?

Bei Telefonwerbung sind Einwilligungen nach § 7a UWG zu dokumentieren und fünf Jahre ab Erteilung sowie nach jeder Verwendung aufzubewahren, auf Verlangen der Bundesnetzagentur unverzüglich herauszugeben. Bei E-Mail empfiehlt sich ein Bestätigungsverfahren mit archivierter Bestätigungsnachricht, aus dem Zeitpunkt, Wortlaut und Herkunft hervorgehen.

Wir haben eine Abmahnung erhalten. Was zuerst?

Eingangsdatum dokumentieren und ein datiertes Bildschirmfoto des beanstandeten Werbemittels sichern, bevor Sie korrigieren. Danach vier Prüfschritte: Ist der Absender berechtigt, steht er in der Liste des Bundesamts für Justiz? Enthält die Abmahnung alle Pflichtangaben nach § 13 Abs. 2 UWG? Greift der Kostenausschluss nach § 13 Abs. 4 UWG oder der Vertragsstrafenausschluss nach § 13a UWG? Liegen Missbrauchsindizien nach § 8c Abs. 2 UWG vor? Unterschreiben Sie die vorformulierte Erklärung nicht ungeprüft.

Was kostet eine Abmahnung?

Das hängt vom Absender ab. Für Verbände und Wirtschaftsverbände nennen die Kammern Pauschalen im unteren dreistelligen Bereich, anwaltliche Abmahnungen rechnen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und damit nach dem Gegenstandswert ab. Wir nennen bewusst keine Streitwerte, weil die verfügbaren Angaben nicht belastbar belegt waren. Teurer als die Abmahnung ist regelmäßig die Vertragsstrafe, weil sie je Verstoß anfällt und zeitlich unbegrenzt gilt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Hinweis zur Quellenlage: Die amtliche Gesetzesdatenbank des Bundes und das Portal des Amtsblatts der Europäischen Union waren bei der Recherche nicht erreichbar. Wir zitieren deshalb keinen Normwortlaut und führen keine Satznummern. Die Darstellung des neuen Rechts stützt sich auf die Bundestagsdrucksachen 21/1855 und 21/3327 sowie auf Veröffentlichungen der Industrie- und Handelskammern. Sämtliche Entscheidungen des Bundesgerichtshofs sind an den amtlichen Pressemitteilungen geprüft, die Bußgeldangaben an Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur.Bundesverbraucherhilfe e. V.Abgerufen am 14. September 2026
  2. Werbung mit Klimaneutralität, I ZR 98/23, Urteil vom 27. Juni 2024BundesgerichtshofAbgerufen am 14. September 2026
  3. Anforderungen an die Angabe des niedrigsten Gesamtpreises der letzten dreißig Tage, I ZR 183/24, Urteil vom 9. Oktober 2025BundesgerichtshofAbgerufen am 14. September 2026
  4. Anforderungen an gesundheitsbezogene Siegel, I ZR 130/25, Urteil vom 30. Juli 2026BundesgerichtshofAbgerufen am 14. September 2026
  5. Kennzeichnungspflicht bei Influencer-Beiträgen, I ZR 90/20, I ZR 125/20 und I ZR 126/20, Urteile vom 9. September 2021BundesgerichtshofAbgerufen am 14. September 2026
  6. Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, BT-Drs. 21/1855 vom 29. September 2025Deutscher BundestagAbgerufen am 14. September 2026
  7. Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses, BT-Drs. 21/3327 vom 17. Dezember 2025Deutscher BundestagAbgerufen am 14. September 2026
  8. Liste qualifizierter Wirtschaftsverbände nach § 8b UWGBundesamt für JustizAbgerufen am 14. September 2026
  9. Telefonwerbung, Dokumentationspflicht und BußgeldpraxisBundesnetzagenturAbgerufen am 14. September 2026
  10. Orientierungshilfe für Anbieter digitaler Dienste, Stand November 2024Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der LänderAbgerufen am 14. September 2026
  11. Jahresbericht 2025Zentrale zur Bekämpfung unlauteren WettbewerbsAbgerufen am 14. September 2026
  12. Werbung und fairer Wettbewerb, Abmahnung richtig beantwortenIHK für München und OberbayernAbgerufen am 14. September 2026
  13. Preisangabenverordnung, Grundpreis und PreisermäßigungenIHK KarlsruheAbgerufen am 14. September 2026
Laufende Verfahren

Drei Linien sind zu beobachten. Erstens ist die Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/825 mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb abgeschlossen; die Wirkung tritt überwiegend zum 27. September 2026 ein. Ein Teil gilt bereits seit dem 19. Juni 2026: Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages hat die im Regierungsentwurf vorgesehene Nummer 33 des Anhangs gestrichen und stattdessen einen neuen § 5 Abs. 6 UWG eingefügt, wonach eine geschäftliche Handlung irreführend ist, die gegen die Gestaltungspflichten des § 312d Abs. 2 BGB verstößt. Wer Finanzdienstleistungen im Fernabsatz vertreibt, hat dadurch seit Juni ein zusätzliches lauterkeitsrechtliches Risiko bei der Gestaltung von Online-Oberflächen. Zweitens ist die europäische Green-Claims-Richtlinie, die ein Verfahren zur Vorabprüfung von Umweltaussagen vorsah, in ihrem Schicksal offen. Die Europäische Kommission kündigte im Juni 2025 die Rücknahme an und rückte davon wenige Tage später wieder ab; der Trilog wurde nicht abgeschlossen. Unternehmen dürfen die Umsetzung der bereits geltenden Vorgaben nicht von diesem Vorhaben abhängig machen, denn sie gelten unabhängig davon. Drittens entsteht mit der Einwilligungsverwaltungsverordnung auf Grundlage des § 26 Abs. 2 TDDDG ein alternativer Rechtsrahmen für die Verwaltung von Einwilligungen im Onlinemarketing; die Verordnung wurde am 20. Dezember 2024 verkündet und sieht eine Evaluierung innerhalb von zwei Jahren vor. Sie schafft eine Option, keine Pflicht. Ob anerkannte Dienste bereits verfügbar sind, haben wir nicht geprüft.

Ausgleich entsteht, wenn viele ihn tragen.

Mitglieder erfahren zuerst von neuen Eintragungen im Vertrauensregister und stimmen über unsere Positionen zu Gesetzentwürfen ab.

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