Seit dem 1. Oktober 2026 gilt zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Tankrabatt. Der Bund hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel befristet bis zum 31. Dezember 2026 gesenkt. Bundestag und Bundesrat haben die Senkung im verkürzten Verfahren beschlossen, der Bundesrat hat am 25. September 2026 zugestimmt. Verbraucher und Wirtschaft sollen um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden.
Ob die Entlastung an der Zapfsäule ankommt, entscheidet nicht das Gesetz, sondern der Markt. Dieser Ratgeber erklärt, was genau gesenkt wurde, wie Sie die Weitergabe selbst überprüfen, wie Sie günstiger tanken und warum Sie sich auf den 1. Januar 2027 einstellen sollten.
Die Zahlen auf einen Blick
| Frist | Bedeutung | Fundstelle |
|---|---|---|
| 14,04 Cent | Senkung der Energiesteuer je Liter Benzin und Diesel. | Energiesteuergesetz, Gesetzesbeschluss vom September 2026 |
| bis zu 17 Cent | Rechnerische Entlastung je Liter einschließlich des darauf entfallenden Umsatzsteueranteils. | Bundesrat, Beschluss vom 25. September 2026 |
| 1. Oktober 2026 | Beginn der Steuersenkung für Kraftstoff, der ab diesem Tag Raffinerien und Steuerlager verlässt. | Energiesteuergesetz |
| 31. Dezember 2026 | Ende der befristeten Senkung. Ab 1. Januar 2027 gelten wieder die regulären Steuersätze. | Energiesteuergesetz |
| rund 2,5 Mrd. Euro | Erwartete Entlastung für Verbraucher und Wirtschaft. | Bundesregierung |
Was genau gesenkt wurde
Gesenkt wurde die Energiesteuer, die früher Mineralölsteuer hieß. Sie ist ein fester Betrag je Liter und fällt an, wenn der Kraftstoff ein Steuerlager verlässt. Auf den Preis einschließlich Energiesteuer wird anschließend die Umsatzsteuer von 19 Prozent erhoben. Sinkt die Energiesteuer um 14,04 Cent, sinkt deshalb auch die Umsatzsteuer, insgesamt um bis zu 17 Cent je Liter. Das ist der Betrag, um den der Preis an der Tankstelle bei vollständiger Weitergabe und sonst gleichen Bedingungen fallen müsste.
Der Rabatt gilt für Kraftstoff, der ab dem 1. Oktober die Lager verlässt. Ware, die vorher zum regulären Satz versteuert in die Tanks der Tankstellen gelangt ist, ist mit dem höheren Satz belastet. Der Branchenverband en2x hat angekündigt, die Senkung gleichwohl ab Mitternacht vollständig weiterzugeben. Bei der ersten Runde im Mai war der Preis in der ersten Nacht an den meisten Tankstellen deutlich gefallen.
Wie Sie die Weitergabe prüfen
Tankstellen sind verpflichtet, jede Preisänderung für Super E5, Super E10 und Diesel in Echtzeit an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt zu melden. Diese Daten speisen die bekannten Preis-Apps und Vergleichsseiten. Damit können Sie die Preisentwicklung an Ihrer Stammtankstelle selbst nachvollziehen.
Ein Preisvergleich vor und nach dem Stichtag ist allerdings nur ein Anhaltspunkt. Der Tankstellenpreis hängt auch vom Rohölpreis, von den Preisen für Benzin und Diesel am Großhandelsmarkt, vom Wechselkurs des Dollars und von der Nachfrage ab. Steigt der Rohölpreis, kann ein Teil der Entlastung davon aufgezehrt werden, ohne dass der Rabatt einbehalten wurde. Die Mineralölwirtschaft weist genau darauf hin. Umgekehrt wäre ein Preisrückgang, der deutlich unter 17 Cent bleibt, während Rohöl- und Großhandelspreise stabil sind, ein Hinweis auf unvollständige Weitergabe.
Rechenbeispiel
Ein Pendler fährt mit einem Pkw, der 6,5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, im Monat rund 1.500 Kilometer. Er tankt damit knapp 98 Liter im Monat.
Bei vollständiger Weitergabe von 17 Cent je Liter spart er rund 16,60 Euro im Monat, für Oktober bis Dezember zusammen rund 50 Euro. Wird nur die Hälfte weitergegeben, sind es rund 25 Euro. Der Unterschied zeigt, warum Preistransparenz für die Wirksamkeit der Maßnahme entscheidend ist.
Günstiger tanken: Was wirklich hilft
Die Preise schwanken im Tagesverlauf erheblich. Nach Auswertungen von Markttransparenzdaten ist Tanken in den Abendstunden in der Regel günstiger als am Morgen. Zwischen Tankstellen in derselben Stadt können zur selben Zeit mehrere Cent je Liter liegen, an Autobahntankstellen sind die Preise regelmäßig deutlich höher. Wer die Preis-App vor dem Tanken nutzt und zur passenden Zeit tankt, spart oft mehr als einen Teil des Rabatts.
Vom Bunkern großer Mengen raten wir ab. Kraftstoff in Kanistern unterliegt Sicherheitsvorschriften für Transport und Lagerung, und der Vorteil steht in keinem Verhältnis zum Risiko. Sinnvoll ist dagegen, Ende Dezember mit vollem Tank in das neue Jahr zu gehen.
Ab Januar: Der Preissprung ist absehbar
Am 1. Januar 2027 gelten wieder die regulären Steuersätze. Bei sonst gleichen Bedingungen steigt der Literpreis dann um bis zu 17 Cent. Für Haushalte, die auf das Auto angewiesen sind, bedeutet das eine planbare Mehrbelastung, die in das Haushaltsbudget für das erste Quartal gehört. Ob es zu einer weiteren Verlängerung kommt, ist zum Redaktionsstand offen. Wir raten, nicht darauf zu kalkulieren.
Unabhängig vom Rabatt lohnt der Blick in die Steuererklärung. Seit 2026 gilt die Entfernungspauschale von 38 Cent je Kilometer bereits ab dem ersten Kilometer. Wer wenig verdient, kann über die Mobilitätsprämie Geld vom Finanzamt zurückbekommen. Einzelheiten enthält unser Ratgeber zu Kfz- und Spritkosten.
Die Position der Bundesverbraucherhilfe
Eine befristete Steuersenkung ist in einer Preisspitze ein vertretbares Instrument, um Haushalte schnell zu entlasten. Sie wirkt aber nur, wenn sie vollständig an der Zapfsäule ankommt, und sie ist nicht zielgenau: Sie entlastet Vielfahrer mit großen Fahrzeugen stärker als Pendler mit kleinem Budget. Wer 2,5 Milliarden Euro Steuermittel einsetzt, muss belegen können, dass sie dort ankommen, wofür sie bestimmt sind.
Wir regen deshalb an, dass das Bundeskartellamt nach Ablauf der Maßnahme eine Auswertung der Weitergabe auf Grundlage der Daten der Markttransparenzstelle veröffentlicht, wie sie für künftige Entscheidungen über Entlastungen unverzichtbar ist. Und wir raten dazu, künftige Entlastungen frühzeitig anzukündigen und Übergänge planbar zu gestalten. Kurzfristige Ein- und Ausstiege erschweren Haushalten und Unternehmen die Planung.
Was zu tun ist
- Vergleichen Sie vor jedem Tankvorgang die Preise in einer App, die auf Daten der Markttransparenzstelle beruht.
- Tanken Sie, wenn möglich, in den Abendstunden und meiden Sie Autobahntankstellen.
- Beobachten Sie die Preisentwicklung an Ihrer Stammtankstelle und ordnen Sie sie mit Blick auf den Rohölpreis ein.
- Planen Sie für Januar 2027 höhere Kraftstoffkosten ein und gehen Sie mit vollem Tank in das neue Jahr.
- Prüfen Sie, ob Ihnen Entfernungspauschale oder Mobilitätsprämie zustehen.
Grenzen dieser Darstellung
Die Entlastung von bis zu 17 Cent ist ein rechnerischer Höchstwert. Wie stark der Preis an einer bestimmten Tankstelle fällt, hängt zugleich von Rohöl- und Großhandelspreisen, Wechselkurs und Wettbewerb vor Ort ab. Aus einem Preisvergleich allein lässt sich deshalb nicht zuverlässig ableiten, ob ein Anbieter den Rabatt einbehält. Die Angaben zu Tageszeiten beruhen auf allgemeinen Auswertungen und gelten nicht für jede Tankstelle.
